Das Flughöhenparadoxon

Es gibt aus der Perspektive eines IT Dienstleisters wie Six eine Reihe von Herausforderungen, die sich im Kontakt mit Kunden oder Interessenten stellen. Eines der Themen, die uns in den letzten Monaten besonders häufgig beschäftigt, ist das Flughöhenparadoxon.

 

Ein Interessent kommt mit einem überschaubaren, nachvollziehbaren Thema aus dem Umfeld der IT auf uns zu. Wir erörtern das Thema, der Kunde sieht eine Lösung und schöpft Vertrauen. Im Laufe des Gespräches, manchmal auch mit großem zeitlichen Versatz spricht der Kunde ein zweites Thema an, das mit dem ersten irgendwie in Zusammenhang steht. Auch dieses wird erörtert, wir als Dienstleister bekommen ein immer deutlicheres Bild dessen, was im Kundenunternehmen passiert, fehlt oder gebraucht wird und machen einen Lösungsvorschlag. Also kommt das nächste Thema dazu, etwas abseits zwar von den beiden ersten. Aber die Verbindung zum Rest, die Dringlichkeit und zu guter Letzt ein Lösungsansatz werden deutlich.

 

Dieses Spiel wiederholt sich noch eine Reihe von Malen bis irgendwann der Kunde und wir als Dienstleister aus großer Höhe einen Blick auf die (IT-) Landschaft unter uns, die Zusammenhänge, die fehlenden Verbindungen, die Topolgie der Entscheidungsprozesse und die Entropie der Geschäftsmodelle werfen können.

 

Spätestens ab diesem Stadium befällt viele unserer Gesprächspartner: Angst. Angst vor dem, was vor Ihnen liegt. Vor den vermeintlichen oder tatsächlichen Herausforderungen. Vor den noch unbekannten Lösungen und letztlich vor der schieren Menge an Themen, die sich offenbar zeigen.

 

Und die Konsequenz aus dieser Angst aufgrund zunehmender Flughöhe ist eine gewisse Starre. Nicht wirklich eine Schockstarre. Eher eine allmählich in die wohlig gefühlte Heimeligkeit eindringende Kälte, im schlimmsten Fall: Resignation.

 

Statt die Flughöhe für einen Überblick zu nutzen, zur Landung anzusetzen und sich dann ans Werk zu machen, führt die Starre des Flughöhenparadoxons vermehrt zu Abstürzen. Ganze Geschäftsprozesse, die über Jahre in wesentlichen Teilen funktioniert haben, jetzt in wenigen Teilen nicht mehr funktioniern, werden  Audits und Assessments unterzogen und oft in Gänze über den Haufen geworfen

Was wir uns als Dienstelister und damit Begleiter des Kunden wünschen: sukzessive die Themen angehen, die wirklich "Not tun". Don't change a running System. Bitte nur das tun, was wirklich notwendig ist. Und das beherzt! Und nacheinander!

Oder nicht mehr so hoch fliegen........

Eigene Meinung? Kein Problem:


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